Kostenlose Menstruationsprodukte
Am Institut für Physik in der Newtonstraße 15 stehen in den Toiletten (in allen All-Gender und Damen-Toiletten) kostenlose Menstruationsprodukte zur Verfügung: Tampons und Binden jeweils in einer Variante.

Warum ist das wichtig?
Bei den Produkten handelt es sich um Hygieneartikel, die – ähnlich wie Toilettenpapier – zum alltäglichen Gebrauch gehören. Ihre Bereitstellung verhindert Nachteile für menstruierende Studierende und Beschäftigte beim Aufenthalt am Institut und wirkt einer mentalen Belastung entgegen, die durch die Sorge vor fehlenden Produkten entsteht.
Die Relevanz lässt sich empirisch belegen: Eine bundesweite Umfrage von Plan International (2021) ergab, dass 23 % der Befragten die Anschaffung von Menstruationsprodukten als finanzielle Belastung empfinden und 29 % während der Periode manchmal öffentliche Räume meiden, weil Toiletten schlecht ausgestattet oder unhygienisch sind (S. 7). Eine Studie der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg (2021) zeigte zudem, dass 35,1 % der Befragten gelegentlich während des Hochschulaufenthalts Menstruationsprodukte benötigten, aber keinen Zugang hatten, und 88 % der Menstruierenden Angst vor einer unangenehmen Situation durch fehlende Artikel äußerten (S. 45, 49).
Was ist Periodenarmut?
Menstruierende Menschen sind auf Menstruationsprodukte angewiesen. Wer diese aufgrund finanzieller Engpässe nicht erwerben kann, leidet unter Periodenarmut (period poverty). Das Phänomen ist global verbreitet – die Weltbank geht von über 500 Millionen Menschen ohne ausreichenden Zugang zu Menstruationshygiene aus –, betrifft aber auch Studierende in Deutschland.
Die Studie Armut von Studierenden in Deutschland (Paritätische Forschungsstelle) zeigt, dass rund 30 % aller Studierenden unterhalb der Armutsgrenze leben; für mindestens die Hälfte stellen Hygieneartikel eine zusätzliche finanzielle Belastung dar. Die monatlichen Ausgaben für Menstruationsgesundheit werden auf fünf bis 35 Euro geschätzt (Menstruation im Fokus, Plan International/WASH United). Eine Umfrage an der Universität Passau (2021) ergab, dass sich 20 % der befragten Studierenden Menstruationsartikel nicht leisten können. Betroffene greifen unter Umständen auf unhygienische Alternativen zurück oder bleiben der Hochschule fern.
Institutionelle Verankerung
Die Bereitstellung kostenfreier Menstruationsprodukte an Hochschulen hat in den vergangenen Jahren deutlich an Dynamik gewonnen. Die Universität Potsdam ging 2021 als erste Brandenburger Hochschule mit dem zweijährigen Pilotprojekt „PeriodUP" voran, finanziert durch Hochschulleitung und Studierendenparlament. Begleitend zur kostenfreien Versorgung initiierte das Koordinationsbüro für Chancengleichheit die Veranstaltungsreihe „Once a Month" und den Podcast „Let's Talk. Period", um die Tabuisierung der Menstruation zu durchbrechen und das Thema gesellschaftlich zu normalisieren. An vielen Hochschulen entstanden entsprechende Angebote auf studentische Initiative – etwa an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, der Philipps-Universität Marburg, der Universität Bonn, der Universität Regensburg, der Universität des Saarlandes und der Universität Stuttgart. Der freie Zusammenschluss von Student*innenschaften (fzs) forderte 2021 in einem offenen Brief die bundesweite kostenfreie Bereitstellung an allen Bildungseinrichtungen; die LandesAstenKonferenz Berlin schloss sich Anfang 2022 mit einer Stellungnahme von 20 studentischen Vertretungen an. Dauerhafte Verfügbarkeit erfordert jedoch institutionelles Handeln und verlässliche Finanzierung, da ehrenamtliches studentisches Engagement zeitlich begrenzt ist.
Dauerhafte Verfügbarkeit erfordert jedoch verlässliche Finanzierung, da ehrenamtliches studentisches Engagement zeitlich begrenzt ist. Das Angebot wird aktuell aus den Frauenfördermitteln des Instituts finanziert. Bei Fragen oder Rückmeldungen wenden Sie sich an die Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte des Instituts.