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Humboldt-Universität zu Berlin - Mathematisch-Naturwissen­schaft­liche Fakultät - Physik i.d. Praxis (Modul P8)

Hinweise zur Anfertigung des Reports

Generelle Anforderungen

Oftmals ungeliebte Pflichtübung ist die Dokumentation und Publikation der Meßergebnisse wesentlicher Bestandteil der wissenschaftlichen Arbeit. Wenn man nach einem halben Jahr Labortätigkeit seine Erkenntnisse in schriftlicher Form darlegen will, mag man nicht auf jeder Seite seines Protokollheftes darüber nachdenken, was man da eigentlich gemacht hat und was dabei herausgekommen ist. Man möchte vielmehr auf Anhieb serviert bekommen, was die wesentlichen Ergebnisse waren, welche Erkenntnisse man gewonnen hat oder was nicht geklappt hat. Bei Publikationen oder Projektanträgen, die Sie später schreiben, ist das nicht anders. Schlimmer noch - wenn der Gutachter Ihre Ausführungen nicht versteht, wird er Ihre Arbeit (einiger Wochen oder Monate) ablehnen. Deswegen muss man oftmals Dinge "idiotensicher" erklären, auchwenn sie einem selbst banal erscheinen mögen.

Sie können wohl davon ausgehen, dass der Leser in jedem Falle ein gewisses wissenschaftliches Verständnis hat, aber er ist keineswegs immer ein Experte. Nehmen Sie den Leser an die Hand und führen Sie ihn durch den Kaninchenbau....

Vergleichen Sie Ihre Ergebnisse mit denen Anderer vergleichen und hinterfragen Sie sie kritisch. In etwa richtig ist nicht schlecht, aber genau ist halt besser.

Der Sinn des Reports besteht darin, diese Dokumentation zu üben.

Im Prinzip soll der Report wie eine wissenschaftliche Publikation geschrieben werden.

Es sollten grundsätzlich enthalten sein:

- Der Abstract ist das Schaufenster jeder Publikation und ist ausserordntlich wichtig für seine Wahrnehmung (Der Abstract ist immer kostenfrei zugänglich.). Ohne viel Schnörkel soll der wesentliche Inhalt, Ziel , wesentliche Methoden und wesentliche Ergebnisse zusammengefasst werden. Ihr Abstract sollte nicht mehr, als 100 Worte umfassen.

- Die Einleitung kann sehr kurz gehalten werden. Bei einer Publikation dient Sie der Einordnung der geleisteten Arbeit in die Forschungslandchaft und der Vorbereitung des fachfremden Lesers auf die Materie. Bei Ihrem Betreuer kann man davon ausgehen, dass er das nicht braucht.

- In Materialien und Methoden werden die Versuchsaufbauten beschrieben, die verwendeten Geräte bzw. experimentellen Anlagen mit Typenbezeichnung und auch besondere Verfahren zur Datenauswertung / Software, falls notwendig. Erneut gilt: so kurz wie möglich, aber der qualifizierte Leser sollte Ihre Beschreibung nachvollziehen können. Oft sind Skizzen sinnvoll.

 - In Auswertung und Diskussion (in aufwendigeren Publikationen oft auch separat) werden die Ergebnisse vorgestellt und analysiert, mit denen in anderen Arbeiten vergleichend diskutiert und natürlich die Genauigkeit der Ergebnisse beurteilt. Ein Ergebnis ohne Fehlerangabe ist keines und auch in einer Grafik sollte immer die Genauigkeit der Ergebnisse erkennbar sein (ggf. Fehlerkreuze etc. ). In diese Sektion gehören die Erkenntnisgewinne und Konsequenzen daraus. 

- Die Schlussfolgerungen werden am Ende zusammengefasst...mal wieder kurz, aber der gut vorgebildete Leser sollte mit Abstract und Schlussfolgerungen ein grobes Bild Ihrer Arbeit und deren Ergebnisse erhalten.

- Bringen Sie Ihr Laborheft mit Ihren handschriftlichen Notizen und Kommentaren zum Abschlusstestat mit – derartige Laborhefte können in der Praxis als Nachweis dienen, dass Sie bestimmte Ergebnisse an einem bestimmten Tag erzielt haben. Sie dienen Ihnen ausserdem dazu, sich in der Flut Ihrer Daten zurechtzufinden und wichtige Parameter und Erkenntnisse zu notieren. Sie werden solch ein Laborheft später benötigen - üben Sie jetzt schon den Umgang damit.

Grundsätzlich zu beachten:

Alle Messwerte sofort und ohne Kopfrechen– oder Taschenrechneroperationen notieren und auf Reproduzierbarkeit überprüfen. Messungen von Einzelgrößen sind grundsätzlich zu wiederholen, um Fehler beim Ablesen der Instrumente und beim Protokollieren zu vermeiden sowie um eine Fehlerabschätzung durchführen zu können. Die Messergebnisse sollten möglichst schon während des Versuches vorläufig ausgewertet werden, um versteckte Fehler rechtzeitig zu erkennen. Wenn möglich bzw. nötig sollten die Messwerte in Form einer Tabelle aufgetragen werden, wobei Zahlenwerte der gleichen physikalischen Größe untereinander geschrieben sein sollten. Der Spaltenkopf muss den Namen und/oder das verwendete Symbol sowie die zugehörige Einheit enthalten. Die Verwendung des Symbols in Tabellen und an anderen Stellen des Protokolls ist normalerweise ausreichend, es müssen aber alle verwendeten Symbole mindestens einmal im Protokoll definiert sein.
Alle Messwerte gehören ins Protokoll, offensichtlich falsch notierte Werte müssen entsprechend gekennzeichnet werden. Radierungen sind nicht zulässig.
Das Abschreiben bzw. Kopieren fremder Messprotokolle ist unzulässig, gilt – ohne entsprechende Kennzeichnung – als Täuschungsversuch und impliziert null Punkte für die Versuchsdurchführung.

Wenn Sie für die Rechnungen eine zu Microsoft Office bzw. Origin kompatible Software verwenden, werden die entsprechenden Dateien Teil des Protokolls. Stellen Sie diese Ihrem Betreuer spätestens zum Abgabetermin zur Verfügung (auf Datenträger oder per email).

Im Gegensatz zu einer Publikation ist Ihr Report in erster Linie für Sie und den Betreuer, dessen oberste Aufgabe es ist Ihre Arbeit einzuschätzen...deswegen schreiben Sie den Report, wie für jemanden, der Ihr mehr oder weniger hoher Vorgesetzter ist, den Report verstehen soll und durch folgende Eigenschaften charakterisiert werden kann:

Er hat Physik studiert, das Experiment nicht selbst durchgeführt, versteht aber selbstverständlich alle wichtigen physikalischen Grundbegriffe.

Er hat möglicherweise längere Zeit auf einem anderen physikalischen Gebiet gearbeitet.

Er ist grundsätzlich außerordentlich kritisch Ihrer Arbeit gegenüber eingestellt.

Er leidet unter chronischem Zeitmangel und lehnt es deshalb ab, sehr viele Seiten zu lesen.

Er ist ein wenig pedantisch.

Hinweise zur äußeren Form:

Verwenden Sie zum Abfassen des Reports ein Textverarbeitungsprogramm Ihrer Wahl. Der Betreuer wird Ihnen mitteilen, ob er den Report als .pdf oder Hardcopy wünscht.

Nummerieren Sie bitte alle Seiten.

Alle graphischen Darstellungen und Skizzen müssen eine Bezeichnung tragen und eine kurze Beschreibung, die ohne den umliegenden Text verständlich macht, was dargestellt ist. Weitere Erklärungen und Schlussfolgerungen erfolgen im Text unter Bezug auf die Darstellung.

Koordinatenachsen sollen mit dem dazugehörigen Symbol unter Angabe der Maßeinheit beschriftet sein sowie eine sinnvolle Skaleneinteilung haben. Alle im Protokoll verwendeten Symbole und Abkürzungen müssen definiert sein. Numerisch ermittelte Punkte (z. B. bei Kurvenanpassungen) und experimentelle Werte müssen durch deutlich unterschiedliche Symbole unterscheidbar sein.

Gestalten Sie das Protokoll so kurz wie es möglich ist ohne dass die wissenschaftliche Qualität leidet.